Statistische Daten und übergeordnete Koordination im Bereich Gesundheit und Migration

Personen mit Migrationshintergrund sind oft Risiken ausgesetzt, die sich sequentiell und kumulativ negativ auf die Gesundheit auswirken können, zu nennen sind z.B. administrative, sprachliche, kulturelle, ökonomische Barrieren.

Edibe Gölgeli

Edibe Gölgeli

Die Problematik verbunden mit dem Dolmetschen in der Gesundheitsversorgung wurde schon im vorherigen Anzug (19.5088.01) von Sarah Wyss hervorgehoben. Das Thema wurde auch im Rahmen einer bei der letzten Migranten- & Migrantinnen Session lancierten Petition aufgenommen.

In der Schweiz und in unserem Kanton soll ein chancengleicher Zugang zur Gesundheitsversorgung und ein gesundes Leben für die ganze Bevölkerung und in allen Generationen sichergestellt werden – dies unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sozialer Schicht. Und dafür sollen wir uns in der Zukunft noch stärker einsetzen.

Auch hat der Regierungsrat in einer früheren schriftlichen Anfrage bestätigt, dass ein spezifischer Bedarf zur Förderung und chancengleichen Zugang zum Gesundheitssystem für die Gesundheit der Migrationsbevölkerung vorhanden sei. Der Anteil der Einwohner*innen ohne CH Bürgerrecht ist bei 36% deutlich über dem nationalen Durchschnitt.

Und was wurde denn bis heute konkret unternommen um dem entgegenzuwirken?

Das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt hat 2008, anhand von der Bundesstrategie «Migration und Gesundheit 2008-2013», ein Konzept und ein kantonales Programm «Migration und Gesundheit» erstellt sowie Präventionsprojekte und Massnahmen in diesem Bereich entwickelt (siehe: 19.5261.02). Zu nennen sind z.B. das Projekt «Vitalina», die Fachtagung «Gesundheit und Migration» des Gesundheitsdepartements oder die Informationsveranstaltungen der GGG Migration für Migrationsvereine (8 von diesen zum Schwerpunkt «Gesundheit»).  Das Thema Gesundheit findet sich auch in der kantonalen Integrationsstrategie wieder, wo dieses zusammen mit dem Thema Alter als Handlungsfelder ausgewiesen ist.

Doch zeigt eine Bestandesaufnahme von Projekten und Massnahmen im Kanton Basel-Stadt, dass sich diese hauptsächlich an gesunde Migrantinnen und Migranten richten. Des Weiteren sind es oft hochspezialisierte Angebote, welche Schwerkrankte als Zielgruppe haben. Bei niederschwelligen psychosozialen Angeboten, z.B. im Bereich der Frühintervention oder Beratung, scheint noch ein zusätzlicher Bedarf vorhanden zu sein.

Zugleich ist es festzustellen, dass es eine übergeordnete Strategie «Gesundheit und Migration» oder eine – gemäss dem Regierungsrat wünschenswerte und projektunabhängige Koordination zwischen den unterschiedlichen Verwaltungsstellen und privaten Institutionen zu diesem Thema, noch nicht gibt. Diese wäre ein wichtiger Schritt für die Umsetzung von Massnahmen und Projekten zum Thema Migration und Gesundheit bzw. zur Förderung der Chancengleichheit in der Gesundheitsversorgung im Sinne der Nachhaltigkeit.

Um spezifische Lücken im System festzustellen – vor allem zur Erreichung von vulnerablen Personen, namentlich sozioökonomisch benachteiligte Gruppen – wäre eine optimierte statistische Datenlage hilfreich – wie auch der Regierungsrat in seiner Stellungnahme bestätigt hat.

Diese Aussage wird auch vom Bundesamt für Gesundheit hervorgehoben, welches dafür plädiert, eine differenzierte Datengrundlage zum Gesundheitszustand der Migrationsbevölkerung sicherzustellen. Vor allem im Hinblick auf migrationsspezifische Merkmale, ist die Datenlage der schweizerischen Gesundheitsberichterstattung lückenhaft. Die meisten gesundheitsspezifischen Datenerhebungen erfassen keine migrationsspezifischen Daten oder lediglich die Nationalität der befragten Personen. So werden eingebürgerte Personen und Personen der zweiten Generation in diesen Statistiken nicht berücksichtigt. Zudem sind die einzelnen Stichproben zu klein, um aussagekräftige Erkenntnisse ziehen zu können. Schliesslich können bis dato die gesammelten statistischen Daten zum Gesundheitszustand der Migrationsbevölkerung nicht vergleichen werden, da ihre Erfassung sehr unterschiedlich erfolgt. Die Erhebung von statistischen Daten sollte deshalb noch stärker auf das Thema Migration und Gesundheit geachtet werden.

Migration macht nicht krank, Migration ist für die betroffenen Personen und unsere ganze Gesellschaft eine grosse Chance. Wir alle müssen aber sicherstellen, dass alle Einwohnerinnen und Einwohner den gleichen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben und adäquat behandelt oder begleitet werden - dies fördert die soziale Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen und trägt zur Senkung der Gesundheitskosten bei. Wir bitten Sie deshalb den Anzug an die Regierung zu überweisen.

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